Von der Satire zur 110 bei Diskriminierung

Metas Geschichte

Die Idee des Antidiskriminierungs-Chatbots Meta fand ihren Ursprung bei meiner Arbeit für einen YouTube-Kanal. Der Kanal heißt Datteltäter und widmet sich bereits seit 2015 dem Aufklären gängiger Stereotype und Vorurteile gegen Muslim:innen in Deutschland mit einer Prise Satire und Humor. Für ein Projekt starteten wir innerhalb der Datteltäter-Community einen Aufruf, eigene Diskriminierungserfahrungen zu teilen. Das Team und ich waren völlig überwältigt, als Einsendungen von Betroffenen unser Postfach sprichwörtlich überfluteten. Als ich davon las, wie schwer Menschen es auf dem Wohnungsmarkt oder am Arbeitsplatz haben, nur weil sie eine andere Hautfarbe oder Namen besitzen als die Mehrheitsgesellschaft, wurde mir bewusst, welch weiter Weg noch zu gehen ist. Dabei sind die Grundlagen dafür bereits durch das deutsche Recht gelegt. Was ich als studierter Jurist weiß, ist, dass es in Deutschland ein Anti-Diskriminierungsgesetz in Form des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) gibt! Doch warum überlasteten die Server der Datteltäter trotzdem vor lauter Erfahrungsberichten – ohne dass den Betroffenen geholfen wurde?

Zugang zu Aufklärung

Im Rahmen meiner Recherche wurde mir klar, dass es am Zugang zur Aufklärung liegen muss! Betroffenen sind ihre Rechte häufig nicht vollumfänglich bewusst und es fehlt das entsprechende Know-how, diese rechtswirksam durchsetzen zu können. Erst dadurch kann es dazu kommen, dass Diskriminierung auch 2021 immer noch zum bitteren Alltag vieler Mitbürger:innen gehört. Ein Lösungsansatz hierzu kann in einer entsprechenden Beratungsstelle für die Betroffenen von Diskriminierung liegen. Der Bund und die Länder setzen dies leider mehr schlecht als recht um. Nicht in jedem Bundesland gibt es entsprechende Anlaufstellen für diskriminierte Personen. Und auch die Antidiskriminierungsberatung vom Bund, die eine telefonische Beratung deutschlandweit anbietet, musste ihren Dienst aufgrund von vermehrtem Aufkommen während der Pandemie einstellen. Das ist derzeit übrigens immer noch so!

Eines Abends, kurz vor dem Schlafengehen, kam mir dann die zündende Idee! Wenn keine Menschen zur Verfügung stehen, um den Betroffenen von Diskriminierung bei Seite zu stehen, dann muss es doch möglich sein, sie mit technischen Mitteln zu unterstützen. Und somit fing ich an, mich in das Thema Chatbots und deren Vorteile einzulesen. Nicht nur, dass Chatbots im Gegensatz zu Menschen mit vielen Anfragen gleichzeitig umgehen können, sie bieten auch noch ganz andere Möglichkeiten für die Betroffenen. Ein Chatbot ist 24/7 ortsunabhängig einsatzfähig, er ist barrierefrei zugänglich und kann auch von Betroffenen anonym genutzt werden. Diskriminierung ist nicht selten ein schambehaftetes Thema. Außerdem kann ein Chatbot auf verschiedenen Sprachen mit User:innen interagieren. So bieten wir noch mehr Menschen die Möglichkeit, sich rechtssicher und verständlich beraten zu lassen, an entsprechende Beratungsstellen vermittelt zu werden oder direkt Vorfälle zu melden.

Metas Vision

Die Vision von Meta war von da an in meinem Kopf geboren. Nun ging es an die Umsetzung. Nach einer ersten Konzeption richtete ich den ersten Hackathon gegen Diskriminierung („Hack 4 Justice“) in Deutschland aus. Es kamen über 40 Expert:innen aus den Bereichen Antidiskriminierung und IT zusammen, um einen Meilenstein für die Entwicklung digitaler Antidiskriminierungsarbeit zu setzen. Nach einem Jahr Evaluation war es dann am 08. Februar 2021 endlich so weit und Meta wurde in Form eines Prototypen geboren. Bisher hat Meta ein 13-köpfiges Team um sich stehen, das selbst fast ausschließlich aus Betroffenen besteht. Bereits über 1000 Test-User:innen haben sich von Meta zur Thematik beraten lassen, was verdeutlicht, wie hoch der Bedarf wirklich ist.

Meine große Vision für Meta ist, die große, in Statistiken unter den Tisch fallende Dunkelziffer an Diskriminierungsfällen endlich sichtbar zu machen und damit eine Grundlage gegen strukturelle Diskriminierung zu schaffen! Außerdem möchte ich die Community in die Entwicklung einbinden, um Meta innerhalb eines Community-Projekts noch mehr an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen. Meta soll durch geteilte Erfahrungen und Inhalte wie ein Wissensnetzwerk stetig wachsen und von Tag zu Tag besser werden. Ich bin dankbar für all die ehrenamtlichen Beiträge von gleichgesinnten Menschen, die die Arbeit an Meta auch in Zukunft unabhängig von finanziellen Förderungen halten werden. Gemeinsam werden wir Meta zur „110“ bei Diskriminierung machen.

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Said Haider ist Initiator des Projekts Metabot. Der weltweit erste Chatbot, der einen barrierefreien Zugang zur Antidiskriminierungsberatung schafft.

Foto: ©Caroline Prange

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