Gemeinsam Zukunft gestalten

Eine Kolumne über die Kraft der Community

In unserer Kolumne berichten wir über die Kraft der Community und von wertschätzenden Räumen, die das gemeinsame Gestalten einer lebens- und liebenswerten Zukunft ermöglichen. 

Die letzten Jahre haben wir als Gesellschaft nicht im Wir-Gefühl, sondern vielmehr in Ich-AGs und mit Selbstoptimierung verbracht. Wohin das führt, sehen wir an Burn-outs und der steigenden Ungleichheit. Wir sind mittlerweile aber an einem Punkt angelangt, an dem wir das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Immer mehr Menschen fragen nach der Sinnhaftigkeit im eigenen Tun und wollen etwas verändern, andere suchen nach einfachen Antworten und streuen Hass in sozialen Medien.

Wir können niemanden dazu zwingen, kooperativ zu sein. Aber wir können versuchen, zu vermitteln, dass es nicht nur uns als Gemeinschaft, sondern auch uns selbst besser damit gehen würde. Evolutionstheoretisch ist es mittlerweile unumstritten, dass wir Menschen aus eigenem Antrieb heraus kooperieren.

Wenn wir das nun gesamtgesellschaftlich betrachten, wird schnell klar, dass wir uns nicht mehr nur im kleinen Kreis umschauen können. Wir sind mittlerweile global vernetzt, sehen und hören von Klimawandel, Finanzkrise, aufkommendem Nationalismus und den direkten Auswirkungen unserer Handlungen. Diese und andere globalen Herausforderungen können wir nur gemeinsam lösen. Als Wegweiser hat die internationale Staatengemeinschaft die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung aufgesetzt.

Foto: ©Kathi Krechting
Daniela Mahr ist Gründerin des Netzwerks reflecta

Unser Verhältnis zur Umwelt

Um ins Handeln zu kommen, brauchen wir manchmal nur gute Beispiele, die uns inspirieren, und ein Umfeld, das uns unterstützt. Um das zu ermöglichen, habe ich 2010 Reflecta gegründet.

Reflecta ist eine gemeinnützige Organisation und das Ökosystem für Zukunftsgestalter:innen. Wir helfen dabei, dass neue gemeinwohlorientierte Projekte entstehen und bestehende sich professionalisieren. Dabei fördern wir den fruchtbaren und interdisziplinären Dialog zwischen interessierter Zivilgesellschaft, Projektstarter:innen, Intellektuellen, Kreativen, Wissenschaftler:innen und nicht zuletzt den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft und bringen alle Parteien an einen Tisch. Das machen wir in Form von Veranstaltungen, Workshops, Kampagnen und reflecta.network – der Plattform für Zukunftsgestalter:innen. Das Ziel, hinter allen Formaten von Reflecta ist es, einen Nährboden für soziale Innovationen zu schaffen und dabei zu helfen, dass gesellschaftliche Veränderungen einfacher machbar werden. 

Logo: ©reflecta

Wie wollen wir leben, arbeiten und unsere Zukunft gestalten? Und was hat das mit unserem Verhältnis zur Umwelt zu tun? Das waren die Kernfragen, die ich bei den ersten Reflecta Festivals und Workshops stellte. Wir stellten die besten Filme zu gesellschaftsrelevanten Themen zusammen. Damit die Menschen nicht in der passiven Zuschauerperspektive blieben, luden wir alle unterschiedlichen Akteur:innen ein, die es zur Gesellschaftsgestaltung braucht, zeigten Best Practices und Möglichkeiten, sich selbst einzubringen und eigene Projekte zu entwickeln. 

Auf der Bühne stehen und anderen Menschen, die Lösungen für eine gerechtere Welt suchen, Handlungsoptionen aufzeigen ist nicht einfach. Ich selbst bin als junger Mensch immer wieder gegen Wände gelaufen. So habe ich mich nach der Sinnhaftigkeit von bestehenden Strukturen gefragt, bin fast daran verzweifelt, konnte und wollte sie nicht akzeptieren.

Zum Glück habe ich auf meinem Weg Menschen getroffen, denen es ähnlich ging, die mich bestärkt haben, die mir zum richtigen Zeitpunkt einen Schubs in die richtige Richtung gegeben haben und die als Vorbilder dienten.

Doch ich hätte mir noch viel mehr Unterstützung und Infrastruktur auf diesem Weg gewünscht. Wo waren all die anderen, denen es genauso ging wie mir? Wie haben sie ihre Projekte umsetzen können? Ich sprach mit unzähligen Menschen, denen es ähnlich ging. Wie schaffen wir es, dass diejenigen, die bereits mit der Entwicklung von Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen begonnen haben, die notwendige Unterstützung erhalten?

Deswegen haben wir mit reflecta.network eine Plattform für soziale Innovator:innen und Menschen, die unsere gesellschaftlichen Herausforderungen aktiv angehen, ins Leben gerufen. Hier finden Zukunftsgestalter:innen das Ökosystem, das sie brauchen, damit ihre sozialen Ideen zum Tragen kommen. Die Plattform bietet ein einzigartiges Netzwerk für sozial engagierte Menschen, Organisationen und Unternehmen, die mittels „intelligentem“ Matching zielgerichtet in den Austausch treten und passgenau neue Kooperationspartner:innen, Mentoring, Mitgründer:innen oder einfach einen Erfahrungsaustausch finden können.

Die Erfahrungen, die wir mit diesem digitalen Netzwerk machen, sind: Für ein wertschätzendes und kooperatives Miteinander braucht es einen ebensolchen Raum und gelebte Werte. Das, was für lokale Orte gilt, das gilt auch für digitale Orte. Deshalb ist es wichtig, die gemeinsame Vision aufzuzeigen und konkrete Handlungsmöglichkeiten anzubieten. Damit ebnen wir den Weg für diejenigen, die sich bereits auf den Weg begeben haben und denen es nur noch an einer passenden Plattform und Infrastruktur fehlt.

Foto: ©Norbert Müller

Ein konkreter Beitrag

Es ist an uns allen, ein System zu schaffen, das einen Nährboden für Kooperationen und gesellschaftlichen Mehrwert bietet. Und nicht nur für den Profit von Einzelunternehmen.
Eine Gesellschaft zu schaffen, in der wir den Sinn unseres Handelns und unserer Existenz spüren. Warum wir das tun sollten? Ganz einfach, weil es die Welt ist, in der wir leben wollen. Und weil es uns allen damit besser geht.

Es gibt schon so viele gute Beispiele: Projekte, Sozialunternehmen und Organisationen, die die Karten neu mischen. Ihre Geschichten gilt es zu erzählen. Und sie gilt es zu stärken. Ich bin sicher, dass du, liebe:r Leser:in, auch über Möglichkeiten verfügst, deinen Teil beizutragen und etwas zu bewegen. Und wenn du schon dabei bist: Dann nimm andere mit. Es lohnt sich. Versprochen.

Wir berichten über neue Formen der Partizipation und über den Funken, der überspringt, wenn wir nur den passenden Nährboden dafür schaffen.

Foto: ©Kathi Krechting

Daniela Mahr ist Gründerin von Reflecta. Sie hat Soziologie und Philosophie studiert und neben ihrer Arbeit an Reflecta, als Kuratorin, Beraterin und Speakerin gearbeitet.

Foto: ©Norbert Müller

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