#nichtgesellschaftsfähig

Tod, Verlust, Trauer und das Leben

Nach der sehr erfolgreichen Veröffentlichung des ersten #nichtgesellschaftsfähig-Buches „Alltag mit psychischen Belastungen“ im Dez 2020 entschieden sich die Herausgeber:innen Sandra Strauss und Schwarwel kurzerhand, ein zweites  #nichtgesellschaftsfähig-Buch auf den Weg zu bringen. Denn so wie psychische Belastungen immer noch ein Tabu-Thema sind, hat unsere Gesellschaft auch nach wie vor ein Problem mit der Akzeptanz und der ehrlichen Auseinandersetzung mit Tod, Verlust und Trauer.

©Eva Brackelmann

Dass dieses Buch entstanden ist, hatte natürlich einen Hintergrund und eine Vorgeschichte. Aber es war, wie beide sagen: einfach folgerichtig. 

„Natürlich überlegten wir, ob „Tod, Verlust und Trauer“ zu unserer bisherigen #nichtgesellschaftsfähig-Subline „Alltag mit psychischen Belastungen“ passt. Und wir beantworteten das für uns mit einem klaren Ja. Als unsere Entscheidung getroffen war, begannen wir sofort mit der Buchkonzeption und unseren Anfragen. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir viele Inhalte und Themen zusammen und mitunter gleich auch die ersten Texte.

Irgendwann an Punkt X haderten wir jedoch mit unserem Titel, weil er für uns nicht all das umfasste, was wir mit unserem Buch wollten. Nach einigen Gesprächen wurde uns klar, dass „… und das Leben“ noch als Ergänzung fehlte, weil es bei Tod, Verlust und Trauer eben auch um das Leben und die Lebenden geht. Dieser Zusatz war für uns eine Erleichterung und brachte viel neuen Input.

Was uns ebenso wichtig war, ist der Begriff „Verlust“ in unserem Titel, weil das alles ganz nah zusammenhängt und man eben auch Trauer empfinden kann, wenn keine nah vertraute, geliebte Person stirbt, sondern ebenso, wenn man einen Menschen oder etwas, was einem wichtig ist, verliert. Das war für uns ein unglaublich bedeutender Aspekt – für unsere Beteiligten ebenso.

Um ehrlich zu sein: Wir hatten eigentlich nicht noch einmal vor, ein über 600 Seiten dickes Buch zu schultern. Wir dachten anfänglich so an irgendwas über 100 Seiten. Gleichzeitig wollten wir verschiedene Aspekte zum Thema Tod mit einbringen, um eine Bandbreite zu haben, die das Thema gebührend umfassen würde, auch wenn uns bewusst war, dass wir alles nur würden anreißen können.“

Vielschichtiges und facettenreiches Buch 

Herausgekommen ist ein Buch, das sich mit vielen Bildern, Fotos, Illustrationen, Cartoons, Karikaturen und Comics – ganz im Style des ersten Buches durch viele Perspektiven bewegt. Kein klassisches „Lesebuch“, sondern eher eins zum Durchblättern, Stöbern, Hängenbleiben, Anschauen. Ein Buch, das man jederzeit weglegen und dann wieder zur Hand nehmen kann. 

Eigentlich gleicht es einer Reise durch verschiedene Landschaften, wobei die Themen Tod, Trauer, Verlust und Leben diese Landschaften ausgestalten. Ob in der Musik, ob im Film, im Comic, in der Literatur und der Kultur – zu lesen oder zu sehen, wie andere den Verlust betrauert haben, wie sie dem Tod begegnet sind oder zum Leben zurückgefunden haben, gibt Hoffnung und Kraft. Manches berührt, vieles wühlt auf: Krieg, Seuchen und Klimatrauer, Weltanschauungen und Religionen sowie der Forensik und Psyche. Aber es geht auch um Radikale Akzeptanz, um Abschied und Begleitung. Und immer wieder um Menschen. Bekannte und weniger bekannte Menschen kommen zu Wort und im Laufe des Buches entwickelt man ein Gefühl dafür, dass niemand um diese Themen herumkommt. Dass wir sie zwar verdrängen können, sie uns aber irgendwann immer einholen. Und sei es, wenn der Hamster der Tochter stirbt.

©Schwarwel

„Wir können natürlich nicht sagen, was die einzelnen Artikel, Fotos und Bilder bei jedem:r Einzelne:n auslösen und bewirken. Was wir jedoch sagen können, ist, dass unsere Buchproduktion, das Lesen der Texte, die Konzeption, die Auswahl der Themen, unsere Anfragen, die geführten Interviews, Layout, Grafik und Illustration uns persönlich geholfen haben, um einen intensiveren und besseren Zugang zu unseren Themen zu finden, uns selbst damit zu beschäftigen, uns den einzelnen Themen-Komplexen zu nähern, denn auch wir können uns all dem nicht entziehen. Also machen wir lieber ein Buch daraus, das mit vielen Stimmen spricht, und bringen es zusammen mit all unseren vielen Beteiligten in die Welt und treten in gemeinsame Interaktion und Kommunikation.“

#nichtgesellschaftsfähig „Tod, Verlust, Trauer und das Leben“ ist ein unglaublich berührendes Buch. Es braucht ein bisschen Mut, sich auf die Geschichten einzulassen, denn sie konfrontieren den oder Leser:in oder Betrachter:in mit den Seiten unseres Lebens, die wir gern ausblenden. Und man muss auch sagen, dass das Buch sicher nicht für jede:n in jeder Situation geeignet ist. Umsichtig gibt es darum gleich auf den ersten Seiten eine Triggerwarnung, die man ernst nehmen sollte. Fühlt man sich kraftvoll genug, dann ermöglicht das Buch von Sandra Strauß und Schwarwel weise Einsichten in die Tiefen unseres Daseins. Obendrein ist auch optisch ein Juwel, in dem man, bei jedem Aufschlagen, immer wieder etwas Neues entdeckt.

Sandra und Schwarwel arbeiten und leben in Leipzig. Zusammen betreiben sie das Studio „Glücklicher Montag“ für Animation, Film Comic, Graphic Novel, Cartoon, Illustration und Karikatur. Beide führen seit vielen Jahren regelmäßig Demokratie- und Comic-sowie Film-Workshops durch.

Das Buch kannst Du hier bestellen: www.gluecklicher-montag.de

*Wenn Du anhaltende Trauer und Erschöpfung fühlst, oder suizidale Gedanken hast, dann melde Dich z.B. bei der Telefonseelsorge Deutschland unter 0800.1110111. Sie vermitteln Dir Ersthilfezentren in Deiner Nähe.

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