Workshop Junges Forum Recht

Gehen Recht und Rechtsstaat auch anders?

Ein Versuch, politische Bildungsarbeit partizipativ umzusetzen

Bildungsformate zum Thema Recht oder Rechtsstaat sind in der Bildungslandschaft eher unterrepräsentiert und dann meist auch eher abstrakt, sodass sie kaum Begeisterungsstürme auslösen. Mit dem Format „Junges Forum Recht“ will die Stiftung Forum Recht das ändern.

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, standen träge Museumsbesuche und politische Bildungsausflüge nicht wirklich auf meiner persönlichen Bucket List. Ich hatte den Eindruck, dass das alles nichts mit mir zu tun hat. Doch mittlerweile haben sich nicht nur meine Interessen verändert, sondern auch in der politischen Bildungsarbeit hat sich viel getan: Lebensnahe Inhalte werden in vielerlei Hinsicht durch partizipativere Formate für verschiedenste Zielgruppen thematisiert und zugänglich gemacht. Und trotzdem stehen Themen zu Recht und Rechtsstaatlichkeit nicht gerade auf der Top-Ten-Liste der sogenannten Generation Z. Schrecken abstrakte Themen zu Recht und Rechtsstaat auf den ersten Blick eher ab?

Welcher Teenager hat schon große Lust, sich mit juristischem Fachwissen oder von der kompletten Bandbreite deutscher Rechtsgeschichte berieseln zu lassen, wenn stattdessen die neuste TikTok-Challenge oder das nächste Insta-Reel locken? Da fällt vielen die Entscheidung vermutlich nicht sehr schwer.  Das liegt allerdings nicht daran, dass die Themen unwichtig oder langweilig wären – sich beispielsweise mit den eigenen Grundrechten, den politischen Strukturen und der Geschichte auch mal zu beschäftigen, kann unglaublich spannend sein. Die Frage ist nur: Wie werden sie vermittelt? Und wie können wir unsere politische Bildungsarbeit noch zugänglicher gestalten und auf die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen anpassen?

 

 

Szene aus einem Workshop
Szene aus einem Workshop Junges Forum Recht ©Felix Grünschloß / Oben: dito

Genau das haben wir uns als Team im Bildungs- und Vermittlungsbereich der Stiftung Forum Recht gefragt. Denn mit unseren Themenschwerpunkten Recht und Rechtsstaat verpassen uns unsere jugendlichen Zielgruppen zunächst wohl eher das Attribut cringe, statt in Begeisterung auszubrechen. Für uns hieß das: Challenge accepted! Und weil spezifische Formate zum Thema Rechtsstaat in der politischen Bildungslandschaft bisher eher unterrepräsentiert sind, entwickeln wir besondere Angebote, an denen sich alle Menschen kreativ und konstruktiv beteiligen können. Wir probieren uns aus und arbeiten damit letztlich in einem ständigen Laborstadium.

Bei der Konzeption dieses Pilotprojekts stand vor allem der partizipative Entwicklungsprozess im Fokus. Unsere Idee war simpel: In Kleingruppen wird ein Projekt entwickelt, gemeinsam mit uns realisiert und am Ende bei einer Veranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert. Anders als bei vielen Schulprojekten, bei denen das Thema schon mundgerecht vorgekaut und der Zielgruppe nur noch lauwarm serviert wird, wollten wir den Jugendlichen eine breite Plattform für ihre Ideen und Fragen an den Rechtsstaat bieten und die Möglichkeit eröffnen, sich selbst und kreativ mit der Frage auseinanderzusetzen: Was hat das mit mir zu tun? Welche Rolle spielt der Rechtsstaat in meinem Leben? Und welche Rolle spiele ich überhaupt im Rechtsstaat?

Unsere Pilotgruppe bestand aus fünf Schüler:innen zweier Karlsruher Gymnasien und beschäftigte sich mit dem Oberthema Gerechtigkeit. Im Laufe von fünf Monaten arbeiteten die Jugendlichen selbstständig fünf unterschiedliche Perspektiven zu diesem Thema aus: Von Hass über Terrorismus bis hin zu Klimagerechtigkeit, (Boots-)Geflüchteten und Stalking war alles mit dabei. In einem Instagram-Take-Over kaperten die Jugendlichen zwei Wochen lang den Account der Stiftung und präsentierten dort ihre Ergebnisse: Interviews, Info-Posts und ihre eigenen Perspektiven auf das Thema. Als Co-Creators lag das Projekt von Tag 1 in den Händen unserer Projektteilnehmenden. Begleitet von uns als Stiftungsteam bestimmte die Gruppe eigenverantwortlich die Ausarbeitung des Projekts: vom Projektmanagement, der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Rechtslage bis zur Planung und Umsetzung einer öffentlichen Projektpräsentation.

Am Ende des Tages sind es für uns neben der kreativen Auseinandersetzung mit den Themen Recht und Rechtsstaat genau solche vielfältigen Praxiserfahrungen, von denen Jugendliche und Kinder am meisten profitieren. Und wenn uns dann noch Aussagen wie „Gesetzgebung kann nie perfekt sein und ich möchte mit meinem Projekt genau das unterstreichen. Wir müssen unsere Teilhabe zeigen, um Veränderung zu schaffen“ erreichen, schlägt unser Vermittlungsherz für eine kurze Zeit ein bisschen höher. Dann geht Recht und Rechtsstaat doch auch ziemlich großartig.

Diesen Herbst startet das Junge Forum Recht in die zweite Runde, bald auch in Leipzig. Hast auch du Lust mit deiner Jugendgruppe oder Schulkasse an dem Projekt teilzunehmen? Dann schau einfach auf unserer Internetseite vorbei, hier findest du alle wichtigen Informationen rund um das Projekt:

Instaaccount Stiftung Forum Recht
Screenshot Instagram-Account Stiftung Forum Recht
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Vanessa Mittmann (M.A.) ist seit September 2021 Mitarbeiterin im Programm- und Veranstaltungsbereich sowie im Bildungs- und Vermittlungsbereich der Stiftung Forum Recht in Karlsruhe und Leipzig.

Foto: ©Felix Grünschloß

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